uli moll

neuester Eintrag:
Woche 4. Bewegte Bilder

Ein wichtiger Teilerfolg! Ich habe entschieden, alle Videotapes, DvDs und Bluerays abzuschaffen, und das ganze Material ausschließlich digital zu speichern, in der Cloud. Und natürlich, zur Sicherheit, auf einem kleinen Server zu Hause.
Der Vorteil ist klar: Außer den gut hundert Kassetten, dem Stapel alter und neuer Silberscheiben werden dadurch gleich drei Geräte überflüssig, von dem guten Dutzend Adaptern und Netzteilen mal ganz abgesehen.
Der Nachteil ist, dass es dafür allerhand Technik braucht und Wissen - Kopierschutz umgehen und so, etwas für Fachleute.

Ich spreche mit Kay darüber, einem Vereinsmitglied aus der Nachbarstadt, der hat an dem Ende alles: Die Ausrüstung, die Erfahrung, die Soft Skills. Und ein Studio, Kay filmt selber.
Ziemlich coole Sache.

Zuerst dachte ich, ich bringe ihm das ganze Zeug einfach, er überspielt das auf eine Festplatte und ich lade das hoch, oder so. Würde auch gehen, sagt Kay, aber letztlich denke ich, es ist besser, wenn ich das Material erst sichte und nur die Filme behalte, die ich tatsächlich noch sehen mag - auch, wenn eine Datei in der Cloud kein ˋDing´ ist, so im herkömmlichen Sinn, sollen da doch keine überflüssigen Altlasten dabei sein. Kostet ja trotzdem Energie und Speicherplatz.

Nebenbei haben wir darüber gesprochen, was heutzutage alles so geht, Videokonferenzen beispielsweise. Und Podcasts. Und Filme, zum Beispiel Bedienungsanleitungen als Video, solche Sachen, wie man Geräte aufbaut oder Regale zusammenschraubt.
Oder wie man ein Soufflé backt, Dinge repariert und lauter solche Sachen.
Kay meinte, damit erreicht man viel mehr Leute und die Sachen werden auch viel deutlicher als nur mit Text und Bildern.

Klar, man muss da schon vorarbeiten, Setting, Skript, Beleuchtung und was nicht alles, und der Kanal muss gepflegt werden und so, aber die Reichweite ist riesig, viel besser als bei FB und Twitter.
Und die Leute haben auch mehr davon, weil visuell eben doch was anderes ist als nur geschrieben, ich sollte mal ein Buch lesen und die Verfilmung anschauen.
Geht viel besser rein und man erinnert sich auch länger.

OK, sagte ich, das können wir im Vorstand besprechen und schauen, aber insgeheim war mir gleich klar, das machen wir.
Kay und ich haben uns verabredet, wir machen eine Probeaufnahme, nichts Großes, und damit überzeugen wir alle. Nächste Woche, und bis dahin schaue ich meine Videos durch, und bringe die erste Ladung zum Digitalisieren mit, dann ist das ein Aufwasch.

Das Skript für den Teaser machen wir gemeinsam, aber ich arbeite natürlich vor - da habe ich schon ein paar Ideen.
Zwei Kartons stehen beim Fernseher, einer für Kay, einer ... wie entsorgt man eigentlich Videotapes fachgerecht?
Soll ich Kay nochmal anrufen oder im Netz nachschauen?


chronologisch:

aus dem Tagebuch eines Untätigen

Geschichten vom Hier und Jetzt und gleich, bald, dann ...

Tag 1. Aufbruch

Man müsste mal wieder aufräumen. Echt.
Der Aschenbecher quillt über, wenn der nicht bald ausgeleert wird, staubt die Tischdecke ein, was eklig ist und außerdem erfordert, die zu waschen. Dazu müsste aber den Tisch abgeräumt, das ganze Zeug sortiert und aufgeräumt beziehungsweise entsorgt werden, die Kaffeetassen in den Abwasch, zusammen mit dem Teller und dem Besteck, die Notizzettel in den Ordner, der in das Regal gehört, nicht auf den Fußboden.
Die Lesebrille kann erstmal auf den Nachttisch gelegt werden, später, wenn der Tisch leer ist und abgewischt aber wieder zurückkehren, weil, ich brauche die ja hier.
Die neue Packung mit den Tabletten gehört auch auf den Tisch, damit ich daran denke, aber die beiden leeren können in dem Müll. Also, gelber Sack, der ist beinahe voll und kann runtergetragen werden, der Biomüll gleich mit. Und Staubsaugen, wenn man schon dabei ist, da müssen nur die Socken vom Fußboden in den Wäschekorb, und vielleicht sollte auch mal gewaschen werden.
Andererseits, ich habe noch frische Socken, das hat keine Eile, also, muss nicht gleich sein. Übermorgen, vielleicht?
Eine Zigarette drehen, der Tabak ist fast leer, wenn ich den frischen hole kann ich ja gleich den Aschenbecher ausleeren. Und ...

Wo ist das Feuerzeug? Ernsthaft mal, versteckt sich unter all dem Zeug, das Mistding, und prompt schubse ich mit dem Magazin gegen den Aschenbecher, der natürlich freudig seinen Inhalt verteilt, verdammter Mist.
Jetzt ist es passiert.
Auf dem Titelblatt des Magazins eine Schlagzeile, irgendwas mit Leben vereinfachen, könnte interessant sein. Hmm.
Das Feuerzeug ist auch da, also lese ich das erstmal, für eine Zigarettenlänge oder zwei, vielleicht ist das ja nützlich. Handelt wohl davon, dass irgendwer Leuten dabei hilft ihr Chaos in den Griff zu bekommen, aus Japan, klingt gut - mal nachschlagen im Netz, ob es da schon Erfahrungsberichte gibt, interessant ...

Eine Webseite, ziemlich gut aufgemacht, ein strahlendes Lächeln und so, und viele Dankschreiben, hat mein Leben umgekrempelt, fühle mich freier, solche Sachen.
Hmmmm. Klingt ein wenig nach gekauften Bewertungen, so euphorisch, wie die Zuschriften sind. Erstmal eine rauchen, schnell den Tabak geholt, und ... genau. Ich hätte den Aschenbecher gleich ausleeren sollen, das mache ich dann gleich. Obwohl, es ist ja egal, passiert ist passiert, und jetzt lese ich erstmal in aller Ruhe diesen Artikel.

Recht haben sie ja mit diesem Ratgeber, man sollte wirklich die Dinge anpacken, sich einen Plan machen und so, und ich klicke auf ˋBestellen´, am Besten gleich, und ˋExpress´, dann wird das morgen geliefert und ich kann anfangen, diese Sachen zu machen, alles in Ordnung zu bringen und glücklich werden.

Morgen.

Tag 2 - der Plan

Also, das Buch. Ja.
Echt gut geschrieben, gar nicht akademisch. Eher witzig, und anschaulich. Richtig gut.
Und einleuchtend, irgendwie: Zu viel ist zu viel, dann hindert das und lähmt, auch dann, wenn das einzelne Teil ganz OK ist. Also, man soll sich trennen, und zwar bewusst. Weil, sonst schafft man gleich was neues an, und dann war das alles umsonst.

Und ganz praktische Tipps zum Vorgehen: Stapel machen, überlegen, wann man etwas zuletzt tatsächlich benutzt hat, solche Sachen. Und Dinge, die seit mehr als soundsoviel Monaten nicht gebraucht worden sind, die braucht man nicht.
Toll.

Ganz praktisch auch: Man soll seinem Umfeld davon erzählen, und zwar, damit die einen unterstützen und nicht etwa noch mehr Kram bringen, zum Geburtstag oder Weihnachten.

Und, logisch: Wenn man davon erzählt, dann machen die vielleicht auch mit, und kaufen ...
Aber halt, das ist ein negativer Gedanke, der hilft nicht weiter!

Also, dem Umfeld mitteilen ...
Das mache ich online, in meinem Blog. Dann kann jeder nachlesen wie das ist, wenn man sein Leben in Ordnung bringt, und ich spare mir einen Haufen Erklärungen.

Ein Tagebuch ist sowieso nützlich, weil, dann kann man seine Erfolge nachlesen und sich später an die schlimmen Zeiten - also, an jetzt - erinnern und sich darüber freuen, was man geschafft hat.
Und online, weil dann liegt nicht noch eine angefangene Kladde mit Tagebucheinträgen rum, und das Umfeld merkt gleich, wenn man ins Stocken kommt, und ...

Genau, das hat nur Vorteile.
Ich bin ganz stolz, da selber draufgekommen zu sein, weil, in dem Buch stand nur was von Tagebuch - aber, das ist ja auch schon älter. Vielleicht gab es da ja noch kein Internet ...

Also, ich richte jetzt den Blog neu ein, ein frisches Design, als Symbol für die Veränderung, damit alles richtig wird. Und dann fange ich an, das alles zu tun, mit Stapeln und allem.

Ein neues Profilbild müsste her, vielleicht gehe ich ja noch zum Friseur - mit den Fransen auch dem Kopf wird das nichts mit dem Design. Also, nicht frisch und neu.
Und wegen dem Foto rufe ich Jochen an, der hat da ein Händchen für.
Und dann ... wo ist eigentlich dieses HTML-Buch? Ein paar Sachen müsste ich noch nachlesen, diese Sache mit den Frames ... oder ich frage Anne, die ist da firm.

Beim Notieren zünde ich eine Zigarette an, die rollt natürlich von dem Hügel im Aschenbecher auf die Tischdecke, das gibt einen Brandfleck, verdammt - aber immerhin, ein Teil weniger im Haushalt, und waschen muss ich das auch nicht.

Positiv Denken! Darum gehts, und ich starte gleich voll durch - erst Friseur oder erst Jochen anrufen? Oder erst Anne, damit die ansagen kann, wie Jochen fotografieren soll?
Das Buch sagt, mache das, was du sofort machen kannst sofort, dann ist es erledigt.
Ich drücke die Zigarette in dem Aschehügel aus und greife zum Telefon.

Tag 3. Rückhalt

Ich bekomme viel Zuspruch in diesen Tagen, seitdem ich allen erzählt habe, was ich da vorhabe.
Manche sagen, ˋes wird aber auch Zeit´ oder ˋmeinst du, dass das so geht´ und solche Sachen, aber die meisten ermutigen mich. Oder möchten etwas beitragen.

Hanne meint zwar, dass die Sache gut ist, aber der Ansatz doch nicht sehr nachhaltig, vor allem das Wegschmeißen gefällt ihr nicht. Lieber sollte ich die Sachen spenden, an ein Projekt für Obdachlose oder Afrika, damit wäre Gutes getan. Ein Beitrag.
Natürlich muss dafür das ganze Zeug sortiert werden, und manches erstmal repariert, Kleidung gewaschen und so, aber das spart ja auch Abfall.
Hanne empfiehlt mir ein Buch, das sowas aufzeigt, sie würde es mir auch leihen, wenn sie es findet. Hanne hat ziemlich viele Bücher, müsste sie mal aussortieren ...

Ingeborg ist das alles zu maskulinistisch, sie vermisst die weibliche Perspektive. Aber sie hat mir ein Buch gegeben, dass den Zusammenhang von Konsumgütern und Patriarchat aufzeigt und Strategien enthält, wie man ... wie frau durch gezieltes Kaufverhalten entgegenwirken kann.

Kurt meint, dass alles sei ˋletztlich doch nur die empirische Fortsetzung des imperialen Kapitalismus, kontraproduktiv zum Aufkommen des dialektischen Materialismus´, aber sowas sagt er oft.
Ob ich ihn fragen soll, wie er das meint? Kurt ist ziemlich gescheit, aber irgendwie nicht sehr praktisch veranlagt.

Heiner lobt meinen Entschluss und sagt, das sei das Wichtigste, dass man sich über seine Macken und Probleme klar wird. Er kennt da ein Buch, in dem die Sache von psychologischer Seite betrachtet wird und schickt mir den Link.
Konkret, meint er, sei die Anhäufung von Eigentum letztlich eine Art Kompensation, um frühe Verlustängste nicht realisieren zu müssen.

Im Gebrauchtwarenhof geben sie mir eine Broschüre, mit detaillierten Tipps, was wie und wo loszuwerden ist, und ganz privat empfiehlt mir der Mitarbeiter dort, doch möglichst viel zu verkaufen, im Netz wird man die seltsamsten Dinge los.
Am besten, man fotografiert das Zeug und stellt es auf so eine Auktionsplattform, und es gibt da ein Buch, wie man das am besten hinbekommt.

Es ist schön, so viel Rückhalt zu erfahren, und, das verstehe ich jetzt erst, es ist wichtig, sich erstmal kundig zu machen, damit man nachher auch weiß, dass alles richtig gelaufen ist.

Ich lese mich jetzt erstmal gründlich ein.

Tag 4-9. Wissen ist Macht

Entschuldigt die Pause.
Ich habe die Woche damit verbracht, all die Informationen zu verarbeiten, die mir weiterhelfen werden. War gar nicht so einfach, weil sich viele Ratschläge doch etwas widersprechen, obwohl jedes einzelne Konzept schlüssig ist.

Also habe ich erst Listen angelegt, dann Tabellen mit Querverweisen, und schlußendlich eine Datenbank. Aber das war ein Irrweg: Zwar besitze ich jetzt eine wirklich gute Zusammenfassung aller möglicher Mittel und Wege, doch es fehlt noch so etwas wie ein Wegweiser.
Ob eine KI oder ein Expertensystem da weiterhelfen, bezweifle ich inzwischen, eventuell wäre ein Coach eine Alternative - aber nach welchem Konzept würde der vorgehen, und welche sinnreichen Hinweise einfach missachten?

Also habe ich entschieden, das Problem selber anzugehen. Immerhin geht es ja darum, diese Sache richtig zu machen, und da, wo es verschiedene Optionen gibt, die jeweils beste zu bestimmen, ohne sich dadurch später eine Möglichkeit zu verbauen.

Immerhin habe ich inzwischen den Aschenbecher geleert, und gleich durch ein größeres Exemplar ersetzt, das erleichtert vieles.
Notwendig war das, weil der Alte nicht nur zu klein, sondern auch zu leicht war, und ich den mit einem Stapel Papier zugedeckt hatte, der dann ins Rutschen geraten ist, und ...
Aber egal. Wichtig ist, dass der erste Satz des Konzepts steht:
Nur funktionale Dinge haben eine Berechtigung.
Der neue Aschenbecher zum Beispiel: Durch seine Konstruktion ist es ausgeschlossen, dass er seinen Inhalt großflächig verteilt, wie es der andere getan hat, und ebenso unmöglich ist, dass die Kippen weiterglimmen und die Luft verpesten.
Lediglich das Ausleeren ist etwas komplizierter, aber durch das große Volumen eben auch viel seltener nötig, und ich habe berechnet, dass ich dadurch in der Woche etwa sieben Minuten spare, die ich nutzbringender einsetzen kann.

Und ich werde, aus ähnlichen Gründen, ab sofort nur noch einmal wöchentlich hier berichten. Und zwar immer Freitags.
Nachdem ich den Aschenbecher ausgeleert habe.
Weil, solche Rituale haben ihren Nutzen, aber wenn man das übertreibt ist es wieder kontraproduktiv.
Ich denke, damit einen guten Weg eingeschlagen zu haben, obwohl es im Widerspruch zu dem Satz ˋtue sofort, was du sofort tun kannst´ steht, aber diese spontane Sache kann ich ja an den anderen Tagen verfolgen, abgesehen von Montags, weil da die Hausordnung dran ist.
Und natürlich am Morgen, wegen der Tabletten - ernsthaft, nach dem Unfall mit dem Aschenbecher habe ich die glatt vergessen, aber inzwischen ist das wieder OK, und ich habe so einen Erinnerungswecker gekauft, damit das nicht nochmal passiert.

Woche 2. Coming out

Es ist allerhand passiert in dieser Woche, ich bin selber ganz erstaunt.
Zum einen habe ich entschieden, die Stapel-Lösung zu versuchen, also die ganzen Dinge erst zu sortieren und anschließend zu entsorgen, was ich nicht mehr benötige.
Es werden ein paar Stapel mehr, als ich zunächst dachte, weil außer ˋnotwendig´, ˋbrauchbar´ und ˋunnötig´ noch Stapel für ˋverkaufen´, ˋverschenken´ und ˋwegschmeißen´ nötig sind, und letzterer muss natürlich unterteilt sein in ˋRestmüll´, ˋElektroschrott´ und ˋAltpapier´.

Es ist wohl praktisch, dafür gleich Kartons zu nehmen, da spare ich mir, das Zeug erst zu sortieren und danach noch mal zu verpacken - also versuchte ich zu schätzen, wie viele Kartons ich benötige.
Vergeblich! Um das festzustellen müsste ich ja zunächst mal heraussortieren, was tatsächlich weg kann.
Also habe ich stattdessen überlegt, wie viele Kartons - ich nehme die Umzugsdinger vom Baumarkt - ich wo hinstellen kann, sowohl für das eigentliche Sortieren als auch danach. Es macht ja keinen Sinn, wegen eines einzelnen Kartons Elektroschrott (beispielsweise) zum Wertstoffhof zu fahren, wenn da noch weitere nachkommen.
Bis es losgeht lagere ich die Kartons - es sind 62 Stück - zusammengefaltet unter dem Bett. Die beiden Kisten unbekannten Inhalts, die sich bisher dort befanden, stehen derweil in der Garderobe im Flur.
Paketklebeband (mit einem praktischen Abroller) sowie ablösbare Aufkleber für die Beschriftung liegen im Schrank in der Küche,wo so etwas zwar nicht hingehört, aber in der Schreibtischschublade war kein Platz mehr.

Aber das nur nebenbei.
Ein paar Leute haben sich bei mir gemeldet, und das hat mich ebenso überrascht wie gefreut. Offenbar war es eine gute Idee, das Aufräum-Tagebuch online zu stellen, denn die meisten dieser Leute sind eben dadurch aufmerksam geworden.

Eine Veronika hat mich per Mail eingeladen, ihrer FB-Gruppe ˋNo-Mess!´ beizutreten, die befassen sich mit ganz unterschiedlichen Methoden, aufzuräumen.
Nun, ein FB-Account ist schnell angelegt, also, warum nicht.

Um die Sache rund zu machen, habe ich auch gleich ein Twitterkonto eröffnet und eine WhatsUp-Gruppe gefunden, die sich auch mit Ordnung und all dem beschäftigt. Es scheint, als wäre ich nicht der Einzige mit dem Problem. Obwohl ich vermute, dass es sich da meist um Leute handelt, deren Partner oder Kinder zu unordentlich sind (für ihren Geschmack).

Die Datenbank mit den Einzelinformationen aus den Ratgebern musste ich jetzt erweitern um all die Hinweise aus der FB- und WhatsUp-Gruppe, und die Idee, ein Diskussionsforum für die Selbsthilfegruppe einzurichten, hat auch was.
Weil, dann ist der Informationsaustausch leichter.

Die Selbsthilfegruppe ist Annegrets Idee gewesen, das soll dann nicht nur Erfahrungsaustausch bringen, sondern auch gegenseitiges Motivieren und vielleicht sogar praktische Hilfe.
Morgen gründen wir den Verein (gemeinnützig), und ich habe mich bereiterklärt, im Vorstand mitzuwirken.

Die Sache läuft!

Woche 3. Rückschläge

Sowas passiert eben: Selbst mit dem besten Plan kann mal was schiefgehen. Seufz ...
Aber damit muss man umgehen, da darf man nicht den Mut verlieren, es heißt ˋaufstehen, Krönchen richten, weitermachen!´.
Trotzdem, mich hat das tatsächlich einige Zeit aus der Bahn geworden. Aber der Reihe nach:

Die Vereinsgründung ist gut gelaufen, die Satzung und all das beschlossen und ich bin Erster Vorsitzender, ohne Gegenstimmen, und gebe auch den Newsletter heraus. Soweit, so gut.
Die Mitglieder sind bunt gemischt, teilweise selbst Betroffene, aber auch Angehörige, ganz, wie ich vermutet habe. Es gab eine kurze Diskussion, ob ein Betroffener zum Kassier gewählt werden solle, aber die wenigen Vorurteile konnten wir ausdiskutieren und beilegen - nur, dass dadurch die Gründung etwas verzögert worden ist, und die Arbeitsgruppen noch nicht organisiert sind.
Immerhin mussten die meisten ja am Montag wieder arbeiten, also waren wir ab da nicht mehr beschlussfähig.
OK.
Und als ich dann wieder daheim war, musste ich feststellen, dass ich am Freitag den Aschenbecher nicht ausgeleert hatte, bevor ich zum Gründungstreffen gefahren bin!
Gut, nicht tragisch - immerhin habe ich vier Tage nicht daheim geraucht und der Pott hat ja auch Reserven, aber so etwas sollte nicht passieren.
Und besonders nicht, wenn man quasi Chef der Aufräumer ist - so heißt der Verein, Aufräumer e.V., natürlich noch in Gründung, bis das eingetragen ist und die Gemeinnützigkeit genehmigt.

Natürlich habe ich gleich, als ich das bemerkte, die Mitglieder informiert und meinen Rücktritt angeboten.
Es war wundervoll, mit wieviel Einfühlungsvermögen die Freunde reagiert haben, mit wieviel Verständnis, und ich denke, meiner Position hat das eher genutzt als geschadet - soviel Lob für Ehrlichkeit und Konsequenz, wie ich bekommen habe. Wirklich wundervoll.
Trotzdem, den Rest der Woche war ich etwas bedrückt, bis ich - tue gleich, was du gleich tuen kannst - spontan eine kleine App installiert habe, die mich an den Freitagstermin erinnert.
Also, an beide: Aschenbecher und Blog.
Und weil es so praktischer ist, habe ich auch die tägliche Erinnerung an die Tabletten da reinprogrammiert, weshalb ich den Erinnerungswecker nicht mehr benötige.
Sobald ich den Karton (Elektrosachen, verkaufen) aufgefaltet habe, kommt der als erstes da rein.

Also, nachdem ich den Termin mit Jochen festgezurrt habe, der die Sachen für den Verkauf fotografiert.
Glücklicherweise ist die Originalverpackung ja noch im Altpapier.

Woche 4. Bewegte Bilder

Ein wichtiger Teilerfolg! Ich habe entschieden, alle Videotapes, DvDs und Bluerays abzuschaffen, und das ganze Material ausschließlich digital zu speichern, in der Cloud. Und natürlich, zur Sicherheit, auf einem kleinen Server zu Hause.
Der Vorteil ist klar: Außer den gut hundert Kassetten, dem Stapel alter und neuer Silberscheiben werden dadurch gleich drei Geräte überflüssig, von dem guten Dutzend Adaptern und Netzteilen mal ganz abgesehen.
Der Nachteil ist, dass es dafür allerhand Technik braucht und Wissen - Kopierschutz umgehen und so, etwas für Fachleute.

Ich spreche mit Kay darüber, einem Vereinsmitglied aus der Nachbarstadt, der hat an dem Ende alles: Die Ausrüstung, die Erfahrung, die Soft Skills. Und ein Studio, Kay filmt selber.
Ziemlich coole Sache.

Zuerst dachte ich, ich bringe ihm das ganze Zeug einfach, er überspielt das auf eine Festplatte und ich lade das hoch, oder so. Würde auch gehen, sagt Kay, aber letztlich denke ich, es ist besser, wenn ich das Material erst sichte und nur die Filme behalte, die ich tatsächlich noch sehen mag - auch, wenn eine Datei in der Cloud kein ˋDing´ ist, so im herkömmlichen Sinn, sollen da doch keine überflüssigen Altlasten dabei sein. Kostet ja trotzdem Energie und Speicherplatz.

Nebenbei haben wir darüber gesprochen, was heutzutage alles so geht, Videokonferenzen beispielsweise. Und Podcasts. Und Filme, zum Beispiel Bedienungsanleitungen als Video, solche Sachen, wie man Geräte aufbaut oder Regale zusammenschraubt.
Oder wie man ein Soufflé backt, Dinge repariert und lauter solche Sachen.
Kay meinte, damit erreicht man viel mehr Leute und die Sachen werden auch viel deutlicher als nur mit Text und Bildern.

Klar, man muss da schon vorarbeiten, Setting, Skript, Beleuchtung und was nicht alles, und der Kanal muss gepflegt werden und so, aber die Reichweite ist riesig, viel besser als bei FB und Twitter.
Und die Leute haben auch mehr davon, weil visuell eben doch was anderes ist als nur geschrieben, ich sollte mal ein Buch lesen und die Verfilmung anschauen.
Geht viel besser rein und man erinnert sich auch länger.

OK, sagte ich, das können wir im Vorstand besprechen und schauen, aber insgeheim war mir gleich klar, das machen wir.
Kay und ich haben uns verabredet, wir machen eine Probeaufnahme, nichts Großes, und damit überzeugen wir alle. Nächste Woche, und bis dahin schaue ich meine Videos durch, und bringe die erste Ladung zum Digitalisieren mit, dann ist das ein Aufwasch.

Das Skript für den Teaser machen wir gemeinsam, aber ich arbeite natürlich vor - da habe ich schon ein paar Ideen.
Zwei Kartons stehen beim Fernseher, einer für Kay, einer ... wie entsorgt man eigentlich Videotapes fachgerecht?
Soll ich Kay nochmal anrufen oder im Netz nachschauen?

———

Anmerkungen

nur, falls das jemand nicht bemerkt hat: Dieser ˋBlog´ ist fiktional, was bedeutet, dass es ein fake ist, also, nicht echt. Sondern Kunst.
Ich habe nämlich noch nie einen solchen Ratgeber gelesen, und habe das auch nicht vor. Und ich entleere meine Aschenbecher regelmässig, wenn auch manchmal etwas zu spät.
Deswegen: Ähnlichkeiten mit real existierenden Ratgeber-Büchern oder echten Personen sind ... unvermeidbar, fürchte ich. Aber keineswegs beabsichtigt.