ansichtssachen

jeder Superheld hat sein Kryptonit
Gregory House

Sogar ich …
Habe ich heute festgestellt: Die Ansage des Urologen, dass die Prostata in Ordnung sei, es aber Raumforderungen bei Niere und Blase gebe, hat mich doch … nun, ein wenig beeinträchtigt.
Immerhin habe ich einen Abklärungstermin mit CT schon am Freitag (heute ist Dienstag) bekommen können, und rein intellektuell ist mir ganz und gar klar, dass ˋdas noch nichts heißt ´. Rein Intellektuell.
Grob geschätzt deckt das Intellektuelle etwa ein Viertel der Befindlichkeit ab, und nur, weil der Rest sich nicht einigen kann, ob jetzt Schockstarre, Panik oder Fatalismus die richtige Strategie ist, geht das noch ganz gut.

Komisch, eigentlich: Die Chance, dass es sich um etwas fatales handelt, ist vergleichsweise gering. Zysten sind ziemlich normal in der Gegend, und selbst, wenn es etwas nicht so gutartiges ist, ist das noch lange kein Urteil - kein Vergleich zu Leber oder Lunge. Und trotzdem …

In letzter Zeit ist ziemlich alles richtig gut gelaufen, unerwartet gut - vielleicht habe ich auf die Rechnung dafür gewartet. So Schicksalsmässig.
Was dafür spräche, dass das ˋrein Intellektuelle ´ einen vergleichsweise dünnen Firniss über einem Klotz von anderem, eher … sagen wir, dummen Zeug darstellt. Solchen archaischen Dingens, na - Sedimenten.
Was mir grad nicht sehr schmeichelt.

Howauchever: Grund und Anlass, sich mit Dingen zu befassen.
Endlichkeit, und was bleibt. Und so.
Andererseits: Die guten alten zynischen Basisreaktionen haben rechtzeitig eingesetzt. Nämlich, bevor die Bier-O-Thek zumachte, so dass ich noch etwas Zapfenduster* erwerben konnte. Was der Sache dienlich ist, denn: Es ist nicht immer schlecht, wenn etwas tiefdunkelschwarz ausschaut.
Und morgen gehe ich ganz und gar optimistisch los, um den Rest meines Lebens zu verbringen (Vorstellungsgespräch für eine sehr hübsche Stellung).

* Ein Imperial Stoud aus der Brauerei Weiherer / Bamberger Land.

freedom is just another word
for ˋnothing left to loose ´
Janis Joplin

Stimmt. Also, größtenteils. Irgendwie. Ziemlich oft, jedenfalls …
Also, genaugenommen: Nicht.
Nur ist Janis nicht alt genug geworden, um das zu revidieren. Was schade ist.

Ein großer Vorteil der Jugend ist die Option auf eine radikale, saubere und kompromisslos idealistische Haltung, ungetrübt von Erfahrungen, Rückschlägen, Enttäuschungen und rheumatischen Erkrankungen.
Und so.
Ein großer Vorteil des Alters ist … kann sein, danach noch so einiges erlebt zu haben …

Zugegeben: Das ist nicht vielen vergönnt, denn es bedarf eines Kunstgriffes: Sich von den Erfahrungen und dem Bausparvertrag nicht die Neugier, die Lust am Leben, an Neuem abkaufen zu lassen. Und nicht zu verzweifeln, wenn man Dinge verliert, darin hatte Janis Recht.

Freiheit bedeutet nicht, nichts mehr zu verlieren zu haben, sondern keinen Verlust mehr zu fürchten. Keine Angst zu haben. Eigentlich einfach, oder?

Freiheit zu besingen, das hat Hilde Knef besser gekonnt als Janis: Als sie, schon recht betagt, das wunderbare ˋfür mich soll's rote Rosen regnen ´ anstimmte, und nach der ersten Zeile unterbrach, um anzumerken ˋist ne Weile her, ich weiß ´. (Googelt den Text, oder noch besser das Video!)

Die eine Freiheit, sich dem Club 27 anzuschließen gegen die andere: Im fortgeschrittenen Alter noch einmal auf die Bühne, weil das Geld benötigt wird, und … Kunst schaffen. Und dem Wort ˋSelbstironie ´ eine angemessene Bedeutung geben. Einen Saal zum Toben zu bringen, noch einmal.
Again and again and again (status quo)

Freiheit ist nur ein anderes Wort für ˋimmer wieder aufstehen ´.

Für Freiheit muss man nicht kämpfen (wohl aber für andere Umstände, nicht verwechseln!), Freiheit hat man.

Nil desperandum

ˋnormal´ ist eine Einstellung am Wäschetrockner
Harley Quinn

Ein Bisschen sehnen sich alle danach, wenn wir ehrlich sind: Nach Normalität. Irgendwie geregelt, klar, definiert und risikofrei. Aber bitte nicht zu viel, Spießertum ist so unsexy.
Revolution mit sicherer Rente, das wär´s, völlig individuell, so wie alle anderen auch, Freiheit und angenehme Kreditraten. Und einen Fensterplatz auf der richtigen Seite, wenns Recht ist. Danke.
Blöd ist, das sowas nicht funktioniert.

Normal, der Norm entsprechend, ist man - oder eben nicht. Und wenn nicht, dann bedeutet das eben: Alles und jedes muss immer wieder neu er- und gefunden, bewertet, entschieden, revidiert und angepasst werden. Das ist der Nachteil bei dieser ˋFreiheit ´, von der alle reden. Dass man eben keine Norm hat, nach der man alles ausrichtet.
Das kann anstrengend sein.

Aber auch wunderbar: Es gibt so viel zu entdecken, wenn man den Reiseführer wegschmeißt! Manchmal nur eine Seitengasse entfernt von der Touristenattraktion, die man unbedingt gesehen haben muss (normalerweise …). Von der gibt es tausende Bilder im Netz, sogar mit klugen Erklärungen, und Postkarten, Poster, sogar Bücher mit Detailaufnahmen und Jahreszahlen - die kann man einsammeln und irgendwann, wenn es einen an Bett oder Rollstuhl gefesselt hat, immer noch anschauen.
Aber die kleine Kaschemme da hinten, versteckt in der Gasse hinter der Kathedrale, die findest du heute. Oder nie. Normalerweise nie, weil die nicht Teil der Führung ist.
Deswegen lernst du normalerweise auch Joe oder José oder John nicht kennen, und das ist … ganz normal.

Normalerweise hätte ich H. gar nicht kennenlernen dürfen. Sowas von gar nicht. Aber glücklicherweise hat der Wäschetrockner unseres Lebens diese Einstellung nicht - ein Produktionsfehler, wahrscheinlich.
Was für ein Glück!

I don't like Mondays
Brenda Ann Spencer

Brenda ist sowas von 5 Wochen jünger als ich, und sitzt seit ˋ79 ein. Amok. Leute erschossen, das das Zitat oben war ihre Antwort auf die Frage nach dem ˋWarum´.
Und jemand hat daraus ein Lied gemacht. Dieser Bob Geldof / Boomtown Rats. Sonst hätte ich nie davon erfahren, also ist das wohl Ok. Mehr oder weniger.

Brenda wohnte gegenüber einer Schule, was ihr die Tat etwas erleichtert hat, sie musste das Kinderzimmer nicht mal verlassen. Und ihr Vater schenkte ihr zum 16. ein Gewehr. Wie man das halt so macht in San Diego. Für Barbie zu groß, also eine Wumme.

Immerhin steht das in deren Verfassung, dass man Schusswaffen haben darf, während die Barbie erst auf den Markt durfte, als man ihr die Nippel entfernt hatte, weil, das wäre sonst ja unmoralisch und könnte den Kindern schaden. (Daisy Duck musste ja aus den gleichen Gründen mastektomiert werden.)

Ok, genug der zynischen Betrachtungen, genug der sarkastischen Anmerkungen. Auch und besonders solcher zu der Verfassung der Verfassung der USA, das nimmt ja sonst kein Ende (oder erst, wenn wir hier ein Tempolimit einführen und damit tausenden jährlich das Leben retten, und das Klima und so).

Weil: Eigentlich geht es mir um etwas anderes.
Ich habe dieses Lied echt gemocht. Und, mangels Sprachkompetenz in Englisch, nicht verstanden. Und nie hinterfragt, bis vor ein paar Jahren.
Und dann hat es mich ziemlich heftig getroffen.
Aber hallo.

Vielleicht auch, weil mein Vater mir, wäre das einigermaßen legal gewesen, wohl auch ein Gewehr geschenkt hätte, und … es war gar nicht so weit bis zur Schule. Oder wohin auch immer.
Wobei: Ich hätte ja wahrscheinlich eine Reihe von Sozialarbeitern, Psychologen und Bewährungshelfern dazubekommen, und ob ich mich so kurz hätte fassen können in der Begründung ist zweifelhaft, und die Vertonung hätte wohl im günstigsten Fall Wolfgang Niedecken. übernommen. Op Kölsch.
Brenda ist seit dreiundvierzig Jahren eingesperrt.

Mittlerweile habe ich das Lied wieder in meiner Playlist, weil … es ist immer noch ein guter Song. Oder … wieder. Läuft etwa einmal am Tag, nur: Jetzt denke ich dabei an eine 17-jährige Amerikanerin.
Was ihre Welt nicht ändert, auch, weil sie davon nichts weiß.
Aber meine.

Montage mag ich immer noch nicht.

es gibt doch immer welche, die es ganz genau wissen wollen.
Blade

Seit heute bin ich nicht mehr bei telegram.
Wer die Gnadenfrist versäumt hat, kann die aktualisierte Visitenkarte im Menü (oben links) suchen und einpflegen, und entweder Signal oder (von mir bevorzugt) Threema installieren, oder halt auf SMS, Apple Nachrichten, eMail oder Postkarten zurückgreifen, oder gar anrufen.

Warum ich gewechselt habe? In Kurzfassung:
Es gibt Leute, mit denen würde ich nicht am gleichen Galgen hängen wollen - warum sollte ich mit denen die Nachrichtenplattform teilen? Eben.

Natürlich ist es denkbar (und sogar wahrscheinlich), dass solche Gestalten auch bei den beiden genannten Messengern unterwegs sind (und auch anderenorts), aber: Telegram hat rein technisch die Möglichkeit, Hassposts und Idiotengruppen zu unterbinden, da die entsprechenden Daten von denen erfasst werden - und tun das eben nicht.
Threema und Signal sind technisch außerstande, bei sowas einzugreifen, weil eben diese Daten nicht in deren Zugriff sind. Was auch bedeutet: Beide sind sicherer. (Details kann man in diesem Internetz nachlesen.)

So. Weiter diskutiere ich das nicht.
Auch, weil ich merke, dass meine Duldsamkeit sehr nachgelassen hat: Wer immer noch nicht begriffen hat, was ˋgar nicht geht ´ und warum, ist aus dem Spiel.

Wie kann ich ˋNein ´ sagen, wenn es keine Frage ist?
Gregory House

Es gibt so Sachen, die machen echt keinen Spass: Zahnschmerzen und Maskenpflicht und verregnete freie Tage, die Schlange an der Kasse, rote Ampeln, verspätete Züge und dass das Lieblings-Irgendwas mal wieder ausverkauft und/oder teurer geworden ist. Das will man alles nicht.
Und protestiert. Klar, oder?
Weil, da verstößt ja wer gegen … ja, was denn?

Natürlich gegen Grundrechte, und zwar gegen genau meine eigenen. Was natürlich böse ist und gar nicht geht. Also, sagt NEIN!
Nein zur Schwerkraft, zur Rechtschreibung und Vorfahrtsregeln, Nein zum Wetter, ob es nun zu kalt oder zu trocken oder zu gemäßigt ist, Nein!
Nein! auch zum Altern, zur Steuererklärung und ganz besonders zu allem, was andere (speziell die Jugend/Alten/Geringverdiener/Bill Gates/Sonstwer) wollen, weil, die dürfen nicht wollen.

Nein zu allem, was der natürlichen Ordnung (alles dreht sich um mich) entgegenläuft! Protest! Nein zu diesen unzulässigen Demos und Meinungsäußerungen! Nein! Nein! Und nochmals Nein!

Irgendwo da draußen im Universum gibt es etwas, was keine Fragen stellt und dein Nein! nicht einmal ignoriert. Selbst dann, wenn du daran erstickst. Aber manchmal reagiert es auf ein ˋBitte ´.
(Anmerkung: Das funktioniert auch recht gut mit andern Menschen.)

aber in Wirklichkeit wollen wir alle das Gleiche:
Liebe, Vergebung und … Schokolade
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Was, bis auf die Schokolade, in Discounter-Regalen eher selten zu finden ist. Ein Umstand, der den steigenden Body-Mass-Index der Bevölkerung zu einem guten Teil erklärt.
Immerhin, bis auf die Schokolade ist das alles kostenlos, jedenfalls, was Geld angeht. Kann sich also jeder leisten, obwohl …
Nun, auch kostenlose Dinge haben ihren Preis.

Und es gibt keine Sonderangebote, dafür aber auch keine mangelhafte Qualität: Liebe ist immer Liebe, Vergebung immer Vergebung, nur bei Schokolade kann es sich um billigen Dreck handeln, behaftet mit Kinderarbeit und Pestiziden, und sie kann durch unsachgemäße Lagerung ungenießbar werden.

Zugegeben, auch Liebe kann durch unpassenden Umgang verderben. Was wohl der häufigste Grund für das Bedürfnis nach Vergebung ist, welche dann meist aus den falschen Quellen geschöpft werden soll, und oft mittels eines Ablassbriefchens. Oder im Austausch mit minderwertiger Schokolade …

gute Fairtrade-Schokolade kostet gar nicht so viel mehr als das Billigzeug, und bringt mehr Glücksgefühl bei weniger Bauchspeck. Muss man nur wollen.

Aber es ist nicht wahr, dass die Jahre weise machen.
Sie machen alt.
Jack Beauregard

Und genau deswegen gibt es Viagra.
Na, egal: Ich bin jedenfalls gar nicht unglücklich damit, dass es mir nach wie vor an all dem fehlt, was gemeinhin als ˋWeisheit´ verstanden wird. Und auch nicht mit dem Altern. Von der Arthrose jetzt mal abgesehen, aber die ist vorwiegend lästig, kein Unglück. Was dieser ˋWeisheit´ schon wieder nahekommt, gelle?

Weisheit gründet sich (auch) auf der Erkenntnis, dass Glück ˋvon innen´ kommt, und daher weder in Apotheken zu kaufen, noch im Internet zu finden ist. Was jetzt zu der Frage berechtigt ˋund warum soll ich das hier jetzt lesen?´.
Die Antwort lautet: Ich weiß es nicht.
Ich schreibe das hier nur, und fühle mich nicht dafür verantwortlich was jemand liest und warum. Aber ich fühle mich verpflichtet, an dieser Stelle auf folgendes hinzuweisen: Während du das liest wirst du wahrscheinlich der Weisheit nicht näher kommen.
Aber dem Alter. Bisher um fast schon eine Minute.